Eigentlich unblutig

Die Welt der Handarbeit ist auf den ersten Blick eher unblutig. Außer man ist ich und legt sein Sockenstrickzeug auf die Couch und setzt sich dann mit Schwung drauf. Aus Erfahrung kann ich berichten: so eine Bambusnadel bohrt sich wirklich tief in den Popo und es blutet ordentlich wenn man sie wieder rauszieht. Da aber nicht Jemensch so tollpatschig ist, ist stricken und häkeln für die meisten eher unblutig.

Leider ist das nur auf den ersten Blick so und wer sich die kleine, heile Strickwelt bewahren möchte, liest am besten ab hier nicht mehr weiter. Jetzt wird es nämlich richtig blutig, eklig und mies.

Wahrscheinlich hat jeder, der sich mit Wolle in irgendeiner Weise beschäftigt schon einmal von dem Begriff mulesing gehört und weiß dass das irgendwie nicht so toll für die Schafe sein muss. Genauso ging es mir auch und ich war erschüttert als ich herausfand welche Dimension das Ganze hat.

Vorneweg: mulesing betrifft vor allem Merinoschafe die in Australien gezüchtet werden. Denn dort gibt es eine fiese Fliege (Lucilia cuprina), die ihre Eier in den Hautfalten der Schafe ablegt. Man muss wissen, dass Merinoschafe so durch Zucht verändert wurden, dass die Hautfalten extrem zunahmen um die Wollausbeute per Schaf zu erhöhen. Nun kann man sich vorstellen wie Schafe mit extraviel Wolle im australischen Klima schwitzen. Für die Fliege ist das ziemlich gut, denn das Schaf bietet mit seinen zahlreichen feuchtwarmen Hautfalten einen idealen Nährboden für die Fliegenbrut. Und es soll sogar schon vorgekommen sein dass die daraus entstehenden Larven, ganze Schafe bei lebendigem Leib gefressen haben.

Hier sind wir schon an einem Punkt, an dem es überhaupt nicht mehr schön und nett ist, oder? Es wird aber noch schlimmer, denn dem Schafhalter gefällt natürlich nicht, dass die Larven seine Wollausbeute minimieren. Deswegen wurde in Australien die Technik des mulesing entwickelt.

Dabei wird den Lämmern die Partie mit den meisten Hautfalten entfernt. Was sich harmlos anhört ist die komplette Entfernung der Haut um den Po. Das ganze wird großflächig gemacht, ohne Betäubung und Schmerztherapie. Und beweist mal wieder: Das ekligste Tier von allen ist der Mensch.

Wie gesagt das ganze wird nur in Australien gemacht, weil nur dort diese Fliegenart vorkommt. Wer südamerikanisches Merino kauft ist immer auf der sicheren Seite was mulesing betrifft. Und eigentlich hatte sich die australische Wollindustrie bis 2010 verpflichtet diese Technik abzuschaffen, denn es gibt Alternativen. Diese kosten aber Geld und würden damit den Gewinn minimieren. Also benutzt man sie in der Regel nicht.

AB HIER kommen die guten Nachrichten

Deswegen freue ich mich sehr, dass ich Euch verkünden kann: ab dem nächsten Update sind alle meine Garne frei von mulesing. Ich habe endlich einen Hersteller gefunden, der auch Kleinstabnehmer wie mich beliefert. Ab dann gibt es Einhornpupse ohne schlechtes Gewissen. Nicht die Welt gerettet, aber einen kleinen  Beitrag geleistet!

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